Die Zukunft des Schlosses

Am 23. Februar 2005 kauft der Holländer Jan Pierre van Ede Schloß und Rittergut Weißig.
Er ist im Internet auf das Angebot gestoßen und hat es kurz darauf besucht.
Für ihn ist es das Traumschloß, nach dem er lange gesucht hat.
Als Immobilienentwickler hat er bisher stets für Andere Gebäude beschafft und sanieren lassen, aber nie für sich selbst.

Liebe auf den ersten Blick war es tatsächlich, so versichert er, als er das erste Mal vor dem altehrwürdigen Gemauer stand.
"Die Schönheit ist einfach unbeschreiblich", erklärt er, selbst wenn er sich über den desolaten Zustand und die benötigten Investitionsmittel im Klaren ist.

Aber seine Liebe zum Schloß und zur Lausitz und seine Finanzkraft sind Gewähr für ein gutes Gelingen.
Er bezahlt sofort den Kaufpreis und beginnt unverzüglich, einheimische Firmen und Handwerker mit schrittenweise Sanierung zu beauftragen.
"Sie haben mit mir vielleicht noch zehn oder fünfzehn Jahre zu tun".

Rund 2300 m2 in der Fläche und 10.000 m3 im Volumen wollen bearbeitet sein, das Rittergut nebenan nicht inbegriffen.

Besonderen Wert legt er auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Ortschaftsrat, den Weißiger Vereinen und Einwohnern.
Nach kurzer Zeit kennen ihn schon die meisten Leute im Ort.
Er spricht mit ihnen über seine Pläne und lädt sie zu sich ein.
Immer wieder erkundigt er sich nach der Historie des Schlosses und sucht alte Dokumente und Bilder.
Fundstücke aus der Kinderheim- Zeit werden sorgfältig bewahrt; sie gehören zur Geschichte des Hauses.

Das Schloß will er nach alten Unterlagen restaurieren.
Dabei ist ihm die Unterstützung durch den Heimatverein besonders Wertvoll.

Äußerlich hat das Schloß fast wieder den alten Glanz bekommen.
Hell leuchtet die frisch getünchte Fassade weit in die Umgebung.
Das Familienwappen derer von Zehmen erstrahlt frisch renoviert über den Schloßportal, ebenso wie die beiden Wappen an den Giebeln.
Diese Aufgabe führte fachgerecht der Weißiger Restaurator Edgar Frömmel aus.

Auffallend ist die dicke Kiesschicht rund um das Schloß, die bei jedem Schritt Geräusche von sich gibt.
Eine Maßnahme in Holland, um Besucher rechtzeitig anzukündigen.

Die Mauer am Schloßhof, deren Steine in einer früheren Ziegelei in der Otterschütz hergestellt wurden, ist auch wieder vollständig aufgebaut.

Gute Zusammenarbeit pflegt Jan van Ede auch mit dem benachbarten Missionshof Lieske.
Deren Bewohner helfen ihm bei der Wiederherstellung und Pflege der Außenanlagen.
Das Erbegnis kann sich sehen lassen.
Kräftiges Grün sprießt auf der Schloßwiese, weiße und violette Rhododendron säumen die kiesbestreuten Wege.
Agaven zieren die Aufgänge der breiten Schloßtreppe und mildern das drohende Aussehen der beiden Schloßkanonen.
Wie Wachter stehen auf hohen Sockeln große gußeiserne Vasen.

Im Innern des Gebäudes sind die Arbeiten weit fortgeschritten.
Schritt für Schritt, Zimmer für Zimmer, immer eins nach dem anderen, werden die Räume saniert.
Auf diese Weise sind bereits Wohn-, Ess- und Schlafräume für die Familie entstanden.
Auch die durch Zwischenmauern nachträglich veränderten Grundrisse stellte er wieder in seiner ursprünglichen Form her.

Die Eingangshalle ist geschmückt mit antiken Möbeln, Bildern und Teppichen.
Die schwere eichene Tür öffnet sich und gewährt uns einen Blick in den früheren Speisesaal, die jetzige "Ontvangstkamer" (Empfangszimmer) der van Edes.

Eingerahmte Stofftapeten schmücken die Wände, große Lüster scheinen an der Decke zu schweben und geben zusammen mit der riesigen Sitzgruppe dem Raum ein gediegenes Aussehen.

Nebenan die großräumige Küche, nun nicht mehr im Keller, sondern nahe dem Wohnbereich.

Auch die im gotischen Stil erbaute Kapelle, seit Jahrzehnten nicht mehr als solche genutzt, ist wieder hergerichtet worden, mit Kirchenbänkern, Bildern und Heiligenfiguren aus Holland, Sprüchen und farbigen Fenstern.
Van Ede will damit nicht die Kirche ins Dorf holen, aber er möchte der ursprünglichen geistlichen Ort erhalten und möglichst nutzen.

Advent 2009 ist das Wunschziel die ersten 3 von ingesamt 9 Fensterteilen de Elisabeth-Kapelle mit einer Bleiverglasung zu schmücken.
Unter den geschickten Händen von Herrn Werner Bubnick aus Elstra (empfohlen durch Pfarrer Gerhard Brause aus Ossling) sind wirklich schöne Fenster entstanden.

Den Auftrag und seine Vorstellungen darüber beschreibt er selbst als "eine sehr anspruchsvolle Aufgabe bei der Restaurierung eines Gebäudes mithilfen zu können und bei der Gestaltung der Fenster eigene Ideen zu verwirklichen.
Das sind zum Beispiel die Medaillone mit den wichtigsten Jahreszahlen und den Insignien aus dem Leben der Heiligen Elisabeth.
Die Arbeit macht Spass wenn man merkt, das hier mit sehr viel Liebe, Gefühl und Sachverstand das Anwesen gestaltet wird."

Das Schloß stand mehrmals im Mittelpunkt zum "Tag des Denkmals".

*****

120-Jährige sollte ursprünglich Brennholz werden.

43 Jahre stand die etwa 120 Jahre alte Wäschemangel der Firma L. A. Thomas, Großröhrsdorf, in Großgrabe.
Bis 2010 war sie in Betrieb.
In der letzten Zeit nahm das Interesse, die Wäsche mit der Mangel zu rollen, so stark ab, dass sich ein weiterer Betrieb nicht mehr lohnte.
Ausserdem wurde der Raum, in dem die Wäschemangel stand, anderweitig gebraucht.
Die Wäschemangel wurde dem Museum Zeißholz angeboten. Die Antwort: Kein Bedarf!
Also, sollte die Wäschemangel auf galante Art entsorgt werden, sprich: zerhackt.
Aber nicht mit Hans-Jürgen Reckling aus Großgrabe.
Der 65-jährige gelernte Fernmeldemechaniker hat ein Faible für alte Technik.
So klopfte er Ende 2010 an das Schlosstor in Weißig.
Er bot Schlossherr Jan van Ede die alte Wäschemangel an, mit der Bitte, sie zu erhalten.
Und da Jan van Ede genauso verrückt nach alter erhaltenswerter Technik ist, wurden sich beide schnell einig.
Ein Konzept zur Erhaltung der Wäschemangel wurde erstellt.
Die beiden Großgraber Freaks historischer Technik, Hans-Jürgen Reckling und Hannes Haustein sorgten dafür, dass das gute Stück in Großgrabe abgebaut wird, und zum Weißiger Schloss transportiert wird.
Jan van Ede verpflichtete sich einen renovierten Raum für die Mangel zur Verfügung zu stellen.
Der schwergewichtige Schlossherr baute die Wäschemangel mit den Technikfreaks auf.
Und Jan van Ede wäre nicht Jan van Ede, wenn er nicht das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden wüsste.
So zauberte er aus dem Raum mit der Inschrift "Hier mangelt’s an allem", ein kleines Museum rund um das Pflegen von Wäsche.
So stellte Jan van Ede seine kleine Bügeleisensammlung zur Verfügung, und aus Großgrabe kam noch der Rolltisch sowie das Mangelregal.
Für die Einrichtung des "Museums" holte er sich noch fachlichen Rat und Tat von Krimhild Barthel, die in Kamenz ein Antiquitätengeschäft betreibt.
Sie steuerte ein altes Waschbrett, Wäschewolf, Zinkasch, Wäschekorb, Waschmittel, Kernseife und ähnliches bei; fertig war der Wäschemuseumsraum mit Mangel auf Schloss Weißig.
Erster Besucher dieses schönen historischen Raumes war Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel.
Er kennt die alte Wäschemangel aus Großgrabe noch, und freute sich sehr, dass das gute Stück so ein schönes Zuhause gefunden hat.
Der Wäschemuseumsraum mit Mangel wird erstmals am 14. August während Schlossführungen, am Rande des Kutschenkorsos "Hubert von Zehmen", der Öffentlichkeit zugängig gemacht.
Der ehemalige Büroraum der Schlossküche bleibt am 14. August geöffnet, um sich allen Schlossgästen zu präsentieren.
Schlossherr Jan van Ede hat versprochen, neben der Schlosskapelle und dem historischen Wäschemuseumsraum mit Mangel, noch andere folgen zu lassen.
Der nächste dürfte die historische Schlossküche sein, für deren Herrichtung Krimhild Barthel schon Unterstützung zugesagt hat.

Text: Heinz Hirschfeld


(Bilder und Texte: Weißiger Heimatverein e. V.)




















V.l.n.r.: Schlossherr Jan van Ede, und die Begeisterung für historische Technik auf zwei Beinen, Hans-Jürgen Reckling und Gerolf Boden. Foto: Heinz Hirschfeld.




V.l.n.r.: Der erste Besucher Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel, Schlossherr Jan van Ede, die Kamenzer Antiquitätenhändlerin Krimhild Barthel, und Technikfreak Hans-Jürgen Reckling. Foto: Heinz Hirschfeld.


Wir bitten diese Mitstreiter der Schloss- und Rittergutsanierung ihre persönliche Erfahrungen und Gefühle während ihre Arbeit über E-mail an uns zu schreiben.

Danke, der Schlossfamilie









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